Geschafft. Und dann flossen Traenen.

Von Pedruozo nach Santiago
21 - 3 km vor der Kathedrale

Hola amigos, buenos noches.

Nach ruhiger Nacht waren wir schon vor acht Uhr unterwegs. Bald ging es in einen dunklen Eukalyptus Wald. Wir benoetigten die Taschenlampe um nicht ueber irgend einen Stein kurz vor dem Ziel zu stolpern.

Die Gegend hier ist milder. Es wachsen Palmen und Feigen. Anfangs lief heute alles prima. Dann kam nach der Umrundung des Rollfeldes eine Bar, in der wir uns staerkten.

Von hier wollte ich Dir, lieber Armin und Brigitte, schoene Gruesse uebermitteln, denn da haben wir uns glaube ich zum letzten mal gesehen. Am Abend zuvor, da erinnere ich sehr gut dran, haben wir mit Christel und Siegfried aus Karlruhe gemeinsam in Pedrouzo gegessen. Auch Euch von hier schoene Gruesse.

Nun kam der Aufstieg zum Monte do Gozo. Im letzten Jahr liefen meine Fuesse wie geschmiert den Berg herauf, heute wollen sie einfach nicht laufen. Vielleicht ist noch die letzte Etappe nicht gans verdaut.
Ich merkte, wie Ursel immer langsamer wurde und meine Oberschenkel auch zu brennen anfingen. Es war fuer uns fuerchterlich schwer. Wir hatten in der Fruehe auch nur zwei Toast und einen cafo con leche zu uns genommen. Die Batterie war voellig ausgebrannt.
Kurz vor dem Gipfel fanden wir dann noch eine Bar. Wir tranken eine Cola um uns noch einmal einen letzten Schub zu geben. Es half aber heute alles nichts.

Um 13 Uhr hatten wir dann den Gipfel des Monte do Gozo erreicht. Oben auf steht ein grosses Monument zur Erinnerung an den Weltjugendtag 1993 mit Papst Johannes.

Es war heute alles irgendwie anders als im letzten Jahr. Dann sahen wir die Daecher von Santiago im Sonnenlicht vor uns liegen. Zuerst packte es Ursel, dann hat es mich erwischt. Es flossen Freudentraenen, denn wir haben es geschafft. Unser Ziel koennen wir schon sehen. Wie fielen uns in der Arme und beglueckwuenschten uns gegenseitig. Wir sind stolz auf uns diese Pilgerreise auch heil ueberstanden zu haben. Jakobus hatte wohl immer eine schuetzende Hand ueber uns gehalten.
Wir verweilten noch ein Zeit lang in der kleinen Kapelle, sandten Gebete zum Himmel fuer unsere Familie und fuer unsere kranken Freunde und steckten wieder Kerzen an.

Der Monte do Gozo war der letzte Berg vor Santiago. Nun ging es nur noch bergab. Nach 1.5 km kehrten wir, 3 km vor der Kathedrale, in die Herberge “San Lazaro” ein. Erst den Hunger gestillt, dann geduscht und zwei Stunden gut geschlafen.
Diese Herberge ist ein guter Tip fuer Leute, die dem Trubel etwas aus dem Weg gehen wollen. Wir haben uns gleich fuer zwei Naechte eingebucht. Hier herrscht purer Luxus, es gibt sogar frische Bettwaesche und Badetuecher, dass haben wir auf dem ganzen camino noch nicht erlebt.

Gleich werden wir ein nettes Lokal aufsuchen und auf diesen Erfolg hin ein gutes Mal zu uns zu nehmen.

Morgen ist dann der ganze Tag fuer die Kathedrale und die Stadt Santiago reserviert.

Nun noch ein paar Gruesse:
Unserem scheidenden Pfarrer wuenschen wir von hier aus alles Gute und Gottes Segen in seinem neuen Aufgabengebiet.

Unseren Schwestern aus der Gemeinde uebersenden wir auch schoene Gruesse, da wir wissen, dass sie in Gedanken immer mit uns gehen.

Letztlich moechte ich noch meinen Segelfreunden ein gutes Absegeln wuenschen. Damit ist dann eine sicherlich eine nicht allzuschoene Saison zu Ende gegangen. Dennoch hatte ich auch ohne eigenes Schiff in diesem Jahr viel Freude dabei. Wir hoffen auf die neue Saison. Bestellt allen schoene Gruesse von uns.

Alles Gute und ein buen camino
Ursel und Karl-Heinz

8 Antworten auf “Geschafft. Und dann flossen Traenen.”

  1. Jürgen sagt:

    Hola,

    herzlichen Glückwunsch. Da habt ihr es ja (wieder mal) geschafft. Hut ab.

    Bis bald

    Jürgen

  2. Ramona Vauseweh sagt:

    Ich gratuliere ganz herzlich — und bin beeindruckt!
    Einen entspannten Aufenthalt in Santiago und eine gute Heimreise wünscht Ihnen beiden
    Ramona Vauseweh

  3. Elvira sagt:

    Und ich sitze hier an der Elbe in meinem Uraubsquartier, genieße das letze Frühstück, bevor es nach Hause geht und freue mich für euch, dass es nur noch wenige km zu laufen sind - und kommt heil wieder zurück…

    Elvira

  4. Sylvia und Hansrudi Kohler / Schweiz sagt:

    Liebe Ursel, lieber Karl-Heinz
    Zur Vollbringung Eures grossen Wunsches, der Vollendung des Pilgerweges, gratulieren wir Euch ganz herzlich. Möge Euch der St. Jakob noch eine schöne Zeit in Santiago bereiten, auf dass diese Erinnerung Euch das ganze Leben erfreue und begleite!
    Viele liebe Grüsse aus der Schweiz mit BUEN CAMINO
    Sylvia und Hansrudi

  5. Siegfried und Christel Beer sagt:

    Liebe Ursel, Lieber Karl,

    von Karlsruhe herzliche Glück- und Segenswünsche für die erfolgreiche Pilgerschaft nach Santiago. Wir haben eure Blogs mit großer Freude verfolgt und uns mit euch über die gute Bewältigung der manchmal schweren Wegstrecken gefreut. Dabei sind uns die Erinnerungen vom April 2009 wieder sehr bildhaft gegenwärtig gewesen.

    Wir wünschen euch eine gesunde Heimkehr und weiterhin Gottes Segen.

    Liebe Grüße Siegfried und Christel

  6. Gabi und Heinrich aus Wuppertal sagt:

    Hallo Ursel, hallo Karl,

    ganz herzlich gratulieren wir Euch zu diesem Erfolg. Wir freuen uns, dass Ihr dies beide gemeinsam geschafft habt. Wir sind auch sicher, dass wir uns auf dem einen oder anderen Abschnitt des Camino einmal wiedersehen werden, denn wir wissen wie es ist, wenn einen der Camino-Virus gepackt hat.
    Geniesst erst mal das Ziel Eurer Reise und einen guten Heimflug,

    Bis demnächst mal!

    Herzliche Grüße

    Gabi und Heinrich aus Wuppertal

  7. Andrea sagt:

    Lieber Papa, liebe Mama,
    lieber Opa, liebe Oma,

    wir freuen uns, dass Ihr Euer Ziel glücklich erreicht habt,
    aber noch mehr freuen wir uns darauf, dass Ihr bald wieder
    Zuhause seid.

    Alles Liebe

    Anna, Maxi, Frank und Andrea

  8. Angelika Schmidt sagt:

    Lieber Karl-Heinz, liebe Ursel,

    herzliche Grüße und Glückwünsche zur Vollendung Eures Caminos. Ich bin Euch im April 2010 diverse Male begegnet und hätte nicht erwartet, dass Ihr im selben Jahr noch einmal den Jakobsweg lauft. Alle Achtung!!
    Ich bin heute beim Stöbern (aus Sehnsucht nach dem Weg)auf Euren blog gestoßen. Mich hat nämlich wie Euch der Pilgervirus gepackt, bin schon kurze Etappen auf dem deutschen Jakobsweg gelaufen, sehne mich aber nach aber nach dem Camino frances. In zwei Wochen gibt es ein Wiedersehen mit hoffentlich vielen Frauen unserer Studie von letztem Jahr, sodaß dort sicher diverse Erinnerungen aufgefrischt werden. Werde natürlich von Euch beiden erzählen!

    Liebe Grüße

    Angelika

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