Verfasser-Archiv

Der Weg nach Santiago

04.05.2012

Hallo Freunde, wir sind wohlbehalten und gesund wieder in der Heimat gelandet. Wir sind glücklich und dankbar, wenn uns auch manchmal unsere altersbedingten Grenzen aufgezeigt wurden und es auch anderweitige Widerwärtigkeiten auf unserer Pilgerreise gab, es noch einmal geschafft zu haben.

Nach Beendigung unserer Pilgerreise haben wir noch ein paar Tage Urlaub angehängt. Wir sind noch an die Küste gefahren, über Cee, dem Fischerort Muros, dem Mekka der Meeresfrüchte und  zum Kap Finisterre, dem früheren Ende der Welt, so wie die Römer glaubten. Anschließend noch zwei Tage in Santiago de Comostela.

Wir trafen immer noch wieder Mitpilger, kauften Andenken ein, besuchten die großen Markthallen in denen Obst, Gemüse, Fleisch und Meeresfrüchte feilgeboten werden und immer führte uns der Weg noch einmal zur Kathedrale. Besucht man sie mit offenen Augen wird man immer wieder neue Dinge erleben, die man bisher noch nicht gesehen hat. Natürlich gehörten dazu auch weitere Pilgemessen.

 

foto-jakobskachel.JPG

 

Auf dem Praca de Obrigadoire, dem großen Vorplatz der Kathedrale, kann man beobachten, wie sich ständig immer wieder neue Pilger aus der ganzen Welt in die Arme fallen, sich gegenseitig beglückwünschen es geschafft zu haben und vor Freude darüber oftmals in Tränen ausbrechen. Wir waren zwar die Oldie’s auf dem camino, erstaunlich und überraschend ist aber die Tatsache, dass sich so viele junge Menschen auf den Weg begeben.  Und jährlich werden es mehr Pilger, die sich auf den Weg machen. Pilgerstatistik
Im Gegensatz zum allgemeinen Trend in der Gesellschaft ist das mal eine positive Entwicklung, die Ihresgleichen sucht.


Da stellt sich immer wieder die Frage des “warum”? Warum setzen sich Menschen ohne Zwang solchen Strapazen aus und laufen so weite Wege zu einem Ziel, welches ihnen wichtig erscheint?
Wird man geschoben oder gezogen, ich weiß es auch nicht. Schon bei meinen ersten Camino Santiago im Jahre 2009 hätte mich nur noch eine schwere Erkrankung von meinem Vorhaben abhalten können.
 

Schon damals fand ich auf  dem Weg an einer Wand die wohl passendste Antwort auf die Frage des “warum” geschrieben, die wie folgt lautete:


Der Weg nach Santiago

 Staub, Schlamm, Sonne und Regen.
Das ist der Weg nach Santiago.
Tausende von Pilgern gehen ihn
und das schon mehr als tausend Jahre.


Wer ruft Dich, Pilger?
Welch geheime Macht lockt Dich an?

Weder ist es der Sternenhimmel,
noch sind es die großen Kathedralen.
Weder die Tapferkeit Navarras,
noch der Rioja Wein.
Nicht die Meeresfrüchte Galiciens
und auch nicht die Felder Kastiliens.

Pilger, wer ruft Dich?
Welch geheime Macht lockt Dich an?

Weder sind es die Leute unterwegs.
Noch sind es die ländlichen Traditionen.
Weder Kultur und Geschichte,
noch der Hahn von Santo Domingo.
Nicht der Palast von Gaudi
und nicht das Schloss Ponferradas.

All dies sehe und erlebe ich im Vorbeigehen
und dies zu sehen und zu erleben ist ein Genuss.

Doch die Stimme, die mich ruft,
fühle ich viel tiefer in mir.
Die Kraft, die mich vorantreibt,
die Macht, die mich anlockt,
auch ich kann sie mir nicht erklären.

Dies kann allein nur “ER” dort oben.

Dieses war der letzter Bericht von unserer Pilgerreise nach Santiago de Compostela.

Wir wünschen Euch allen ein letztes
Buen Camino
Ursel und Karl-Heinz

PS: Entschuldigt meine Tippfehler, es blieb keine Zeit zur Korrektur.
Ich werde mich nochmals melden, wenn ich meine Web.-Seite um diese Pilgerreise aktualisiert habe.
http://jakobsweg.stimbergstadt.de

Santiago de Compostela: Geschichte und Legende

Der Name Santiago leitet sich vom Apostel Jakob (Sankt Jakob = Santiago) her, der in diesen nordwestlichsten Winkel Spaniens, den die Römer als “Finis Terrae”, “Ende der Welt”, bezeichneten, kam, um zu predigen und die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren.
Als Jakob im Jahr 44 nach Palästina zurückkehrte, wurde er dort von Herodes Agrippa gefangengenommen, gefoltert und getötet. Der König verbot, ihn zu begraben. Jakobs Schüler jedoch stahlen den Leichnam in der Nacht, und brachten ihn in einem Marmorsarkophag an Bord eines kleinen Bootes, das sie auf das Meer hinaustreiben ließen. Und die Meeresströmung trieb das Boot ins spanische Galicia, in den Hafen der römischen Provinzhauptstadt Iria Flavia, wo man den Apostel schließlich heimlich in einem Wald bestattete.

Im Jahr 813 hatte der Eremit Pelayo in jenem Wald eine Erscheinung: er sah ein seltsames Leuchten und hörte Gesänge. Auf Grund des Leuchtens wurde der Platz, auf Lateinisch, “Campus Stellae” (Feld des Sternes) genannt, ein Name, den die Bevölkerung später in Compostela umwandeln sollte.

Der Jakobsweg

Der Bischof Teodomiro, dem von dem Ereignis berichtet wurde, leitete eine Untersuchung ein, in deren Folge das Grab des Apostels entdeckt wurde. Der König, Alfons II., erklärte den Apostel daraufhin zum Patron seines Reiches, und ließ an der Stelle des Grabmals eine Kapelle errichten. Es wird von weiteren Erscheinungen und wundersamen Ereignissen an diesem Ort berichtet, und der Legende nach stand der Apostel sogar dem KönigRamiro I. in der Entscheidungsschlacht gegen die Mauren zur Seite. Mehr und mehr Pilger begannen, dem Weg des Santiago, demJakobsweg, hierher zu folgen. Aus der ursprünglichen Kapelle wurde bald die Kathedrale der neu entstehenden Siedlung, Santiago de Compostela.Im 12. und 13. Jahrhundert erreichte die Stadt ihre größte Bedeutung. Der Papst Calixto II. legte fest, daß jenen, die in einemHeiligen Jahr nach Santiago pilgerten, alle Sünden erlassen würden. Ein “Heiliges Jahr” wird immer dann gefeiert, wenn der Tag des Apostels (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Papst Alexander III. erklärte Santiago zur Heiligen Stadt, ebenso wie Rom und Jerusalem.

28./29.04.2012 Santiago

28.04. 2012

Hola Amigos, nun sind wir am Ziel, in Santiago de Compostela angekommen. Wir sind glücklich es noch einmal geschafft zu haben.

Wir haben schon sehr früh unser schönes Ambiente in Padron verlassen und im Ort, vor unserem Start, noch gut gefrühstückt. Das war auch gut so, denn über 20 km gab es keine Bar, wo man sich hätte stärken können. Es sollte der schönste Tag auf unserer Reise werden. Der Wetterbericht hat nur Sonnenschein vorhergesagt. Genauso wurde es auch. Wir konnten bereits nach einer Stunde unsere Vliesjacken ausziehen und zum ersten Mal im Hemd laufen.

Zunächst lief alles wie geschmiert. Ursels Fuß macht keine Probleme mehr. Dagegen deuteten sich für mich schon gestern grenzwärtige Probleme an. Heute wollen meine Füße ab km 15 einfach nicht mehr laufen. Es wurden die schwersten sieben km meiner Pilgerschaft. Während der Weg zu Beginn zunächst eben verlief, waren nun Steigungen zu meistern, die es nochmals in sich hatten. Diese Steigungen machten mir schwer zu schaffen. Ich musste immer wieder stehen bleiben um tief durchatmen zu können, die Füße schmerzten und dieser Schmerz zog in der Wade hoch. Der rechte Fuß wollte überhaupt nicht mehr. Zum Schluss noch dieser lange Weg durch die Stadt bis zur Kathedrale. Irgendwie habe ich die Etappe aber dann doch noch geschafft.

Santiago1

Nun sind wir “angekommen”.

Man muss eben dem Alter Tribut zollen und erkennen wo die Grenzen verlaufen. Im Jahre 2009 war ich der Oldie auf dem camino und habe die 800 km gut geschafft. Ein Jahr später, zusammen mi Ursel haben wir die Strecke auch gut gemeistert. Heute bin ich noch drei Jahre älter. Es war die letzte Etappe bis Santiago de Compostela aber auch für uns persönlich wohl die letzte Etappe in dieser Form auf dem Jakobsweg.

Einen Tag ohne Regen darf es auf unserer diesjährigen Pilgerreise einfach nicht geben, und so wurden wir bei unserer Ankunft in Santiago mit Freudentränen begrüßt, die sich dann zu einem heftigen Gewitter verwandelten.

Wir fanden schnell ein Zimmer in Santiago. Duschen, die Füße mit Hirschtalg massieren und eine Stunde schlafen. Danach war der größte Schmerz schon wieder vergessen.

Am Abend umarmten wir Jakobus in der Kathedrale, beteten in der Krypta, feierten gemeinsam mit vielen Pilgern die hl. Messe und waren einfach glücklich, es nochmal geschafft zu haben.

Santiago3

Nach einem guten Essen ist nun erst Mal ausschlafen angesagt.

29.04.2012

Ich kannte die Unterkunft von meinen Pilgerfreunden Hans-Rudi aus der Schweiz, der seinerzeit hier mit seiner Frau Quartier bezogen hatte. Die Unterkunft ist in Ordnung und mitten im Zentrum gelegen. Es ist die “Bar Bocalino”, gegenüber der Post (Correros) 20 m die Straße hoch, auf der rechten Seite. Manuel und seine Frau sprechen deutsch und sind  sehr nette Leute.

Nach gutem Schlaf waren heute früh die Schmerzen von gestern verschwunden. Wir frühstückten in einer Cafébar. Danach holten wir uns unsere Compostela ab, in der nun bestätigt ist, das wir als Pilger in Santiago angekommen sind.

Um 11:30 Uhr begaben wir uns in die Kathedrale um die 12 Uhr Pilgermesse mitzufeiern. Es war wie immer ein feierlicher Gottesdienst, indem wir Pilger namentlich begrüßt wurden. In der Kathedrale haben zu dieser Messe viele keinen Sitzplatz mehr bekommen. Die Nonne studierte mit ihrer schönen Stimme vor der heiligen Messe die Lieder mit uns ein und ein Chor hatte das Glück, die Messe mit seinem Gesang begleiten zu dürfen. Nicht jeder Pilger hat das Glück den Butafomeiro, dass 50 kg wiegende Weihrauchfass, durch die Kathedrale schwingen zu sehen. Wir erlebten es in der gestrigen Abendmesse.

Damit hat unsere Pilgerreise einen glücklichen Abschluss gefunden.

Nach der hl. Messe fand das große Pilger-(Familien) treffen vor der Kathedrale statt. Auch wir trafen viele Pilger wieder, mit denen wir unterwegs die Strapazen geteilt haben.

Santiago2

Mit Winfried und Bernward aus Karlsruhe haben wir noch gemeinsam gegessen und viel von unseren Erlebnissen auf dem camino erzählt, ehe wir uns zur Nachmittagsruhe voneinander verabschiedet haben.

Dann gab es am Nachmittag noch eine Überraschung. Roswitha, mit der wir 2010 bis Leon gelaufen sind, und die nun parallel zu uns auf dem  camino frances nach Santiago unterwegs war, trudelte am späten Nachmittag in Santiago ein. Sie war eigens um uns noch in Santiago zu treffen, heute eine Etappe von 40 km gelaufen. Wir verbrachten gemeinsam einen schönen Abend in Santiago. Nun läuft sie weiter nach Finisterre.

Wir werden nun noch vier Tage Urlaub genießen, werden noch an die Küste fahren, zum Kap Finisterre und zur Hafenstadt Muros. Den letzten Tag werden wir dann noch zum Shopping in Santiago verbringen, ehe wir dann spätnachmittags am Donnerstag den Heimflug antreten werden.

Wir bedanken uns bei allen, die uns auf unserer Pilgerreise, wenn auch gedanklich begleitet haben und die uns durch Kommentare in diesem Blog oder per e-Mail geschrieben haben.

Es grüßen Euch alle aus der Jakobusstadt Santiago de Compostela

mit einem buen camino

Ursel und Karl-Heinz

Padron – Santiago de Compostela
Bilder von Padron
Bilder von Santiago de Compostela

27.04.2012 Padron

Hola amigos!

Wir hatten das Zimmer neben Winfried und Bernward bekommen. Beide machten sich schon wieder auf den Weg als wir noch in den Federn lagen.

Heute sollte unser Weg nach Padron führen, dorthin wo Jakobus der Legende nach seine erste Predigt gehalten haben soll und wohin sein Leichnam nach seiner Hinrichtung im Jahre 44 von Palästina überführt wurde. Hier nahm alles seinen Anfang.

Unterwegs trafen wir viele Pelegrinos, u. a., Ursel aus Bonn und ihre Schwester Claudia aus dem Saarland. Wir liefen viele km mit Ihnen zusammen und erzählten über Gott und die Welt. Ursel wird im kommenden Monat 50 Jahre und hat sich selbst diesen ersten Camino zum Geschenk gemacht.

Padron1

Zwei kräftige Schauer mussten wir auch heute wieder abwettern, ansonsten war das Wetter schön und die Temperatur mit um die 14 Grad zum laufen recht angenehm. Es war ein sehr angenehm zu laufender Weg durch schöne Wälder und durch Weinanbaugebiete.

Padron2

Um 15 Uhr, kurz vor Padron, aßen wir ein Menü del Dia. Als Vorspeise gab es gegrillte Sardinen und gemischten Salat, als Hauptspeise Beinscheibe vom Rind und Pommes und als Nachspeise wählten wir einen Cafe von leche, da wir das viele Fleisch ohnehin nicht geschafft haben. Es hat uns richtig gut geschmeckt. Dazu gab es ein großes Cerveza und Vino tinto und alles zusammen für 18 €.

Während mir der OUTDOOR Wanderführer in vielen Dingen überhaupt nicht zusagt, sind seine Übernachtungsempfehlungen immer ein Volltreffer. Wir suchen die Pension El Jardin auf, die an der Straße Rosalia de Castro, direkt hinter dem Botanischen Garten gelegen ist. Das Doppelzimmer bekommt man in dem rustikalen, liebevoll eingerichtetem Haus für 35 €, dass ist ein Super Preis-/Leistungsverhältnis.

Padron ist eine sehr schöne Stadt, in der es vieles zu der Jakobuslegende zu besichtigen gibt. Am Abend besuchten wir noch die hl. Messe in der Jakobuskirche, an der außer uns noch das Ehepaar aus Holland und vier Einheimische teilnahmen. Mit den Holländern tranken wir noch zusammen einen grünen Tee, bevor wir unser schönes Hotelzimmer zum Schlafen aufsuchten.

Padron3

GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Predigten und Überführung des Apostels

Die Verbindung des Portugiesischen Pilgerweges mit Jakobus dem Älteren beginnt im Zuge seiner Predigten auf der Iberischen Halbinsel. Verschiedene Geschichtsschreiber aus Tui berichten von uralten Überlieferungen, wonach Jakobus in Tui das Evangelium verkündete. Diese Stadt bildet den Punkt, an dem der Jakobsweg in Galicien eintritt. Jakobus soll sogar einen seiner Jünger, San Epitacio, zum ersten Prälaten in Tui ernannt haben.

padron.JPG

Aber der Hauptschauplatz der Predigten des Apostels im Nordwesten der iberischen Halbinsel ist Padrón, das auf der gleichen Wegstrecke liegt. Dies wird vor allem auf dem Vorgebirge von Santiaguiño do Monte deutlich, dem Ort, an dem der Pilger Spuren finden kann, die - immer nach den Überlieferungen - an die Wundertaten und Fußspuren des Apostels erinnern.

Noch wichtiger jedoch als der Aufenthalt von Jakobus zu Lebzeiten in dieser Gegend ist die Reise, die er nach seinem Tode dorthin unternahm und die nach der Überlieferung als „Traslatio“ bezeichnet wird. Die Überführung des Körpers von Jakobus dem Älteren von Palästina nach Galicien um das Jahr 44 n. Chr. ist im „Codex Calixtinus“ (Buch III, Kapitel I) in der „Historia Compostelana“ enthalten, zwei grundlegende Texte des jakobäischen Legats.

Gemäß diesen Texten legte das Schiff, das den Körper des Apostels Jakobus durch das Mittelmeer und entlang der portugiesischen Küste transportierte, in Padrón an. Nachdem das Schiff an einem „Pedrón“ vertaut worden war, der unter dem Altar der heutigen Jakobus-Kirche in Padrón aufbewahrt wird, erlitten die beiden Jünger, die den Körper beschützten, unzählige Verfolgungen und Ränke, insbesondere seitens der heidnischen Königin Lupa, deren Palast sich der Legende nach in einer Festung, dem Castro Lupario, befand, ganz in der Nähe des heutigen Pilgerwegs und der Stadt Santiago.

Schließlich schafften es die Jünger, ihren Weg auf der Römerstraße fortzusetzen, bis sie den Wald von Libredón erreichten und den Körper des Apostels dort beisetzten, wo sich heute die Stadt Santiago befindet.

Nun sind es für uns noch 22 km bis Santiago. Wenn alles klappt und das Wetter mitspielt werden wir morgen in Santiago eintreffen.

Caldas de Reis – Padrón
Bilder von Caldas de Reis
Bilder von Padron

Buen camino

Ursel und Karl-Heinz

26.04.2012 Caldas de Reis

Hola amigos!

Die Sonne schien schon auf den Vorplatz der Basilika Santa Maria, als wir wach wurden.

Gefrühstückt haben wir auf dem Zimmer. In der Stadt haben wir uns noch einen  Café con leche genehmigt, bevor wir unsere heutige Tour begannen. Kurz vor der Römerbrücke trafen wir noch zwei nette Peregrinos aus Karlsruhe, die wir gestern schon bei einer Rast kennen gelernt haben.

caldas-de-reis.JPG

Bald schon haben wir den Fluss Lèrez über die Römerbrücke und damit die Stadt Pontevedra hinter uns gelassen. Da wir viel Zeit haben wollen wir heute nur eine Etappe von 12 km bis Portela gehen. Die Peregrinos aus Karlsruhe müssen schneller laufen, da sie heute noch bis nach Caldas de Reis wollen. Bald schon wurde uns so warm, dass wir die Vliesjacke wieder in den Rucksack packen konnten. Obwohl wir einige Baustellen für den Neubau der Autobahn passieren müssten, war es eine angenehm zu laufende Strecke. Nach rund zwei Stunden trafen wir endlich auf eine Bar. Etliche Pilger hatten Rast gemacht. Die Karlsruher, Bernward und Winfried, waren gerade dabei ihren Weg fortzusetzen. Auch das holländische Ehepaar trafen wir wieder. Die beiden wollen erst Ende Juni wieder nach Holland zurück.

caldaswinfried.JPG

Nach der Einnahme einer Powerpille in Form einer Cola setzen auch wir unseren Weg fort. Dunkle Wolken kamen auf und ein ordentliches Schauer ging mal wieder über uns hernieder. Diese Schauer sind nun aber meistens von kurzer Dauer und so scheint auch schon bald die Sonne wieder. Schlimmer war schon, dass wir in Portela weder ein Albergue noch eine andere Übernachtungsmöglichkeit fanden. Also vier km weiter, bis zum nächsten Ort. Irgendwann trafen wir auf ein Schild auf dem geschrieben stand: “Albergue 1 km”. Aber auch dieses Albergue hatte sich offenbar in Luft aufgelöst. Endlich fanden wir eine Bar, die zum Glück auch geöffnet war. Wir hatten gerade Platz genommen, als ein heftiger Hagelschauer nieder ging. Die Wirtin erklärte uns, dass es die nächste Übernachtungsmöglichkeit erst in sechs km gibt. Das bedeutet eine weitere Stärkung und dann noch wieder eine Schüppe drauflegen, bis Caldas de Reis. Am Ende waren es 23 statt 12 km. Obwohl die Strecke keine besonderen Schwierigkeiten hatte wurden heute doch die altersbedingten Grenzwerte erreicht.

caldas-des-reis.JPG

Wir steuerten die erste Bar in Caldas de Reis an, um nach einer Unterkunft zu fragen. Wer sitzt schon an der Theke; unsere Pilgerfreunde aus Karlsruhe. Winfried sagt: ” Wenn ihr das Bad mit uns teilen wollt, könnt ihr auch für 20 € hier schlafen. Nach einer kurzen Siesta hatten wir uns wieder erholt. Wir besichtigten den Ort und die Kirche, die eine ganz besondere Ausstrahlung hat.

Mit unseren Freunden aus Karlsruhe verlebten wir einen schönen Abend. Es wurde viel aus dem Nähkästchen erzählt.

Nun sind wir 40 km vor unserem Ziel.

Pontevedra – Caldas de Reis
Bilder von Pontevedra
Bilder von Caldos de Reis

Buen Camino

Ursel und Karl-Heinz

25.04.2012 Pontevedra

Um drei Uhr Sturm und Regen, um acht Uhr Sturm und Regen. Am liebsten hätten wir die Betten nicht verlassen. Wir müssen aber weiter. Ursel rafft sich auf und kommt nach einiger Zeit frisch geduscht aus dem Bad. Ich folge ihr und danach sieht die Welt schon wieder besser aus. Jakobus steht uns bei und hilft. Als wir um zehn Uhr das Hotel verlassen legt sich der Sturm und es hört auf zu regnen. Es wird ein schöner Gang nach Pontevedra. Die ersten zwei Stunden hatten es allerdings in sich. Es ging immer nur bergauf und dann zum großen Teil über einen alten Römerweg, der aus dicken, unförmigen Granitsteinen bestand. Zwischen den Steinen lief noch ein Bach. Als wir nach zwei Stunden die Bergspitze erreicht hatten wurde es richtig schön, die Sonne kam heraus und es wurde richtig warm.

Ponte Vedra 1

Der Rest des Weges führte uns durch eine schöne Gegend über gepflegte Wege bis nach Pontevedra. Unterwegs haben wir zwei Mal Rast gemacht und dabei jedesmal holländische Peregrinos kennen gelernt. Zwei Damen aus Holland hatten mein Alter schon überschritten. Es scheinen überhaupt viel Holländer unterwegs zu sein, und viele von denen sind auch in Holland gestartet.

Die Zimmersuche gestaltete sich heute mehr als schwierig. Es dauerte schon eine geraume Zeit, bis wir das Touristbüro gefunden haben. Bis 16 Uhr ist Siesta, womit gesagt werden will, dass die Info geschlossen hatte. Also haben wir die Zeit genutzt und in einem Restaurant ein Menü del Dia gegessen. Wir schauten im OUTDOOR Reiseführer und fanden dort  zwei Übernachtungsempfehlungen seitlich der Info und gegenüber der Basilika Santa Maria. Auf Nachfrage bekamen wir wieder ein schönes Zimmer für 32 €, ein anderes Hotel wollte uns schon 60 € abknöpfen, was wir nicht akzeptierten. Wir schauen durch unser Hotelfenster direkt auf die Basilika.

Wir besichtigten die Basilika und schlenderten durch die Stadt, wobei wir uns immer wieder kleinen Schauern ausgesetzt sahen.

Ponte Vedra 2

Am Abend war es wieder scheußlich kalt geworden. Wir kauften noch etwas ein und beschlossen den Abend mit dem Fußballspiel Madrid - Bayern München auf unserem Zimmer zu verbringen. Wir wollten es lieber nicht in einem Restaurant anschauen, denn gestern waren schon alle sehr enttäuscht und wer weiß, was passiert, wenn Bayern heute gewinnt und wir sind mittendrin.

Mia san Mia

Jeden Tag geht es ein Stückchen dem Ziel entgegen. Von hier sind es nur noch rd. 65 km bis Santiago.

Eine Legende um Pontevedra besagt, dass der griechische Held Teukros, der aus dem trojanischen Krieg um 1200 vor Christi hervorging, nach Westen gereist wäre, um Pontevedra zu gründen. Pontevedra besitzt ein tief verwurzeltes Wahrzeichen: die römische Brücke. Auch diese wird dem römischen Baumeister Teukros zugeschrieben. Geschichtlich belegt ist, dass Pontevedra aus der hohen Präsenz der Römer, die die Stadt zu einer Siedlung machten, entstand. Ad Duos Pontes, “Zu den zwei Brücken”, wurde die Siedlung einst von den Römern genannt. Daraus wurde später Pontis Veteris, “Alte Brücke”. Aus der Kombination beider Namensbezeichnungen wurde dann Pontevedra. Die vorige und heutige Brücke Burgo, die über den Lérez führt, und der Bau der römischen Vila Turoqua, die sich an der Römerstraße XIX befindet, wurden nachweislich von römischer Hand erschaffen.

Man fand auf den Terrassen der Flussufer Äxte, die als Beweis für die frühe Besiedelung Pontevedras gelten. So soll die Provinz bereits seit dem frühen Paläolithikum besiedelt gewesen sein. An den Ausgrabungsstätten Salcedo und Mouronte wurden Reste, die auf eine Kultur der Castros – befestigte Anlagen – hindeuten, gefunden. Am kulturellen Fundort wurden auch Angelhaken aus Bronze und Steine entdeckt, die damals dem Fischfang dienten.

Unter der Herrschaft Fernandos dem II. wurde das heutige Pontevedra im 12. Jahrhundert vom Kloster Poio erstmals unter dem Namen Pontem Vertis, der auf die alte römische Brücke hinweist, dokumentiert. Der Bau weiterer Brücken, die über den Fluss Lérez führen, war eine Voraussetzung zur Schaffung der Verkehrsverbindungen. Dadurch entstand das Wachstum der Provinz Pontevedra und die damit verbundene flächenmäßige Ausdehnung.

Im 16. Jahrhundert erlebte die Provinz Pontevedra durch die strategisch äußerst günstige Lage der Atlantikrouten ihre wirtschaftlich-soziale Glanzzeit. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert verlor sie aber wieder an Bedeutung. Grund dafür waren klimabedingte Naturkatastrophen, die den Status als Hafenstadt schwächten. Das bis dahin als sicher geltende Investitionskapital des Bürgertums wurde nicht mehr in die Anlage investiert. Pontevedra erholte sich erst wieder Mitte des 19. Jahrhunderts, und erlebt seitdem einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auch in der Demographie widerspiegelt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Pontevedras Wirtschaftsstruktur ist vom Mittelstand und Kleinunternehmertum geprägt. Das Großunternehmertum ist im Vergleich zu Gesamtspanien relativ wenig vertreten. Die Landwirtschaft nimmt eine große Bedeutung in der Region ein. Wirtschaftlich relevant sind dabei die Forstwirtschaft sowie die Rinder- und Geflügelzucht. Dem Fischfang misst man ebenfalls eine nicht mindere Bedeutung bei.

Die Provinz Pontevedra gehört eher zu den wirtschaftlich ärmeren Regionen. Der Bereich der Landwirtschaft lässt die vielen kleinen Betriebe kaum überleben, und eine Industrie im eigentlichen Sinne existiert nicht. Der wahre Reichtum der Provinz ist das Meer.


Chapela – Pontevedra

Bilder von Pontevedra

Buen camino.

Ursel und Karl-Heinz

23.-24.04.2012 Nigrán-Vigo-Rodondela-Arcade

Hola amigos, buenos dias!

23.04.2012

Gestern spät Nachmittag wurde es in Baiona noch richtig schön. Die Sonne kam heraus, es wurde richtig warm und im Nu war die schöne Stadt voller Menschen. Sie ist wohl ein Ausflugsort der Spanier. Der Ort hat neben der prächtigen Hauptstraße, am Strand entlang, viele Seiten- und Nebenstraßen in denen man kleine Geschäfte für Dinge des täglichen Gebrauchs und natürlich gastronomische Betriebe findet. Alles war voller Menschen. In jeder noch so kleinen Gasse wurde was getrunken und verzehrt. Das Ganze erinnerte dann so an einen Gang durch die Rüdesheimer Drosselgasse.

Am Abend haben wir in einer Jamonerie noch eine Platte feinsten Jamon mit Pan gegessen, verbunden natürlich mit Cerveza und Vino tinto. Auch Pilger dürfen sich mal was gönnen.

Wir haben viel Zeit und daher am morgen richtig ausgeschlafen. Es sah zwar wieder nach Regen aus, aber da es nun wärmer geworden ist darf uns Pilgern der eine oder andere Schauer nichts ausmachen. Da der Pilgerweg fast immer an der Kirche beginnt, besichtigten wir noch die Stiftskirche Santa María aus dem 13. Jahrhundert.

Nigrán-Vigo-Rodondela-Arcade 1

Wir liefen über Sabaris, wo wir eine Kaffeepause einlegten und den Markthallen einen Besuch abstatten, weiter über Ramallosa nach Nigrãn.

Die Pilgerherberge die es an diesem Ort geben sollte fanden wir nicht. Ein netter Herr war uns behilflich bei der Suche nach einer Unterkunft. Er telefonierte und fuhr uns mit dem Auto zur “Pension Nigrãn”, wo wir für 25 € ein tolles Zimmer bekamen. Im Haus ist gleichzeitig ein Restaurant, indem wir für acht Euro ein “Menü del Dia” bekamen.

Nigrãn hat auch einen schönen Strand mit einer großen, vorgelagerten Bucht. Im Gegensatz zu Sonntag in Baiona scheint der Ort heute noch im Winterschlaf zu liegen.

Unterwegs kamen auch wie erwartet die Schauer und heute Abend gießt es wieder aus allen Rohren. Uns macht das nun nichts mehr aus, da wir im warmen Restaurant sitzen.

Ursels Zeh ist noch immer geschwollen, wobei die Schmerzen bis jetzt erträglich sind. Wir werden dennoch unsere Etappen verkürzen, was gleichzeitig bedeutet, um im Zeitfenster zu  bleiben, dass wir auch weiterhin vermehrt den Bus werden nutzen müssen. Dieses hat aber den Vorteil, dass wir am Ort mehr Zeit für Besichtigungen haben.

24.04.2012

Von Nigrãn bis weit hinter Vigo hätten wir fast ausschließlich durch städtische Gebiete laufen müssen. Wir sahen unterwegs häßliche Hochhäuser und Stadtviertel, die unseren Beschluss, diese Strecke mit dem Bus zu fahren, gerechtfertigt haben. In Vigo auf dem Busbahnhof trafen wir übrigens die erste deutsche Pilgerin, die sich mit ihrer Freundin total zerstritten hatte, und nun alleine ihren Weg fortsetzte. Von Vigo fuhren wir noch weiter bis Rodondela, wo der Bus direkt vor der Pilgerherberge stoppte. Nun befinden wir uns auf dem Caminho Central, der von Porto aus direkt hierher hochführt.

Nigrán-Vigo-Rodondela-Arcade 3

Bis Santiago sind es von hier noch rund 80 km, für die wir noch sieben Tage Zeit haben. Wir können es also bequem angehen lassen.

Ab Rodondela ist die Gegend wieder sehr schön. Wir laufen entlang dem Ria de Vigo bis Acarde, wo wir beim ersten Anlauf schon ein gutes Zimmer finden im Hotel Duarte, Lameriñas 8, 36690 Arcade, für 35 €.  Rund 100 m weiter, direkt am Jakobsweg, gibt es das neue Albergue “Pepe”, welches im April aber noch geschlossen war. Der Weg bis hierher war gut zu laufen. Die Temperaturen sind zum Laufen nun angenehm, wenngleich uns immer wieder Regenschauer überraschen, die wir nun aber mit unseren Pilgerstockschirmen bequem abwettern.

Im Restaurant nebenan aßen wir zu Mittag Merluzo und Gambas ala planca, eine Spezialität der Gegend. Auf dem Weg hierher sahen wir die riesigen Austernbänke, die im Ria  de Vigo angelegt sind. Für die Fischer ist das sicherlich die Haupteinahmequelle.

Nigrán-Vigo-Rodondela-Arcade 2

Nun halten wir Siesta und danach werden wir weiter den Ort erkunden.

Die Geschichte von Vigo

Als Vicus wurde die Stadt unter den Römern gegründet. Nach der maurischen Belagerung im 10. Jahrhundert herrschte ab 1170 Fernando II. über die Stadt. Normannische Belagerungen und die Pest im 14. Jahrhundert zog starke Zerstörungen und Bevölkerungsverluste nach sich.

Durch den wirtschaftlichen Handel mit Südamerika stieg das Wirtschaftswachstum der Stadt erheblich an. Im Jahre 1589 wurde Vigo durch den Einfall der Truppen um Sir Francis Drake völlig vernichtet. Nach weiteren Plünderungen wurden Vigos Stadtmauern erbaut. Während des Spanischen Erbfolgekrieges um 1702 mussten die Spanier bei einem Flottenangriff durch britische und niederländische Truppen eine große materielle Niederlage verkraften.

Napoleonische Truppen wurden nach einem kurzweiligen Einfall im Jahre 1808 von den Einwohnern der Stadt vertrieben. Mit dem 20. Jahrhundert befand sich die wirtschaftliche Kraft in den Händen der liberalen Bourgoisie. 

Baiona – Chapela (Rodondela)
Bilder von Vigo
Chapela – Pontevedra
Bilder von Rodondela

Buen  camino

Ursel und Karl-Heinz

22.04.2012 Baiona - Es bleibt doch bei der Pilger-(fahrt)

Nach dem gestrigen schönen Tag sind wir heute hoffnungsvoll aufgewacht. Der Himmel war zwar noch bedeckt aber es war schon angenehm warm. Um 9 Uhr nahmen wir die Fähre, die uns über den Rio Minho nach Spanien brachte. Auch hier fanden wir sofort die gelben Pfeile, durch die der Camino Costa, so nennt man hier den Jakobsweg, gekennzeichnet ist.
Da wir nun das flache Land hinter uns haben führten uns die Pfeile sofort stark bergauf und wir wurden durch gut riechende Eukalyptuswälder geführt. Es ist hier eine ganz fantastische Gegend, die für das Auge schön anzusehen ist. Der Camino Costa führt mal eng am Wasser entlang, dann wieder durch die Berge, von wo man eine sehr schöne Aussicht genießen kann.

Da wir genügend Zeit haben, sollte uns der Weg heute nur bis nach OIA führen. Nach gut fünf km, am Ausgang von A. Guarda, machten wir eine Kaffeepause. Ganz plötzlich, aus noch eben heiterem Himmel zogen dicke Wolken auf und kurz darauf regnete es wieder in Strömen.
Es ist Sonntag und nach Aussagen der Wirtin fährt der nächste Bus erst Montag früh. Ein junges Pärchen, welches in der Kaffeebar frühstückte, bekam unsere Situation mit und bot sich spontan an uns mit dem Auto mitzunehmen. Jakobus war wieder mit uns und half. Sie fuhren uns bis Baiona, dem Ort, den wir eigentlich erst morgen erreichen wollten.

Die Touristinfo half und vermittelte uns ein sehr schönes Zimmer mit Pilgerrabatt für 30 €.
Hotel Carabela la Pinta, Camino Entrehortas 21, Baiona.
Eine sehr gute Empfehlung.

Baiona ist eine sehr schöne Stadt, ein touristischer Höhepunkt der Gegend. Der Hafen wird überragt von der ehemaligen Festung Monterreal, die wir dann am Nachmittag noch besichtigen konnten.

Baione2

Baiona ist ein Ort, direkt am Meer, der bis zur spektakulären Entwicklung der Stadt Vigo Ende des 19. Jahrhunderts viele Jahrhunderte hindurch ein wichtiger Handelsplatz war.
Handelsschiffahrt und Fischerei beherrschten die Ría von Vigo unter den Augen von Baiona, das sich am Kap Silleiro erstreckt. Seine Bucht, an der sich die malerischsten Straßen des Ortes hinziehen, öffnet sich zur Mündung des Flusses Miño.

Baiona 1

Dort landete 1493 die Karavelle La Pinta, das erste Schiff, das von der Entdeckungsreise in die Neue Welt zurückkehrte. Der Sonnenuntergang ist ein hervorragender Vorwand für einen Besuch der Festung Monterreal und ihres berühmten Prinzenturms. Die Burgmauer ist insgesamt drei Kilometer lang und umschließt das heutige Parador-Hotel. Die Stiftskirche Santa María aus dem 13. Jahrhundert ist ebenfalls einen Besuch wert. Der im gotischen Stil angelegte, festungsähnliche Bau weist noch romanische Anklänge auf.

Etappe: A. Guardo – Baiona
Bilder von A. Guarda
Bilder von Moledo
Bilder von O Arrabal/Oia

Bilder von Baiona

Buen camino
Ursel und Karl-Heinz

21.04.2012 Caminha, an der Grenze zu Spanien

Hola Amigos, buenos dias!

Über das Wetter noch weiter zu schreiben erübrigt sich, keine Änderung. Die Einheimischen erzählen uns, dass sie den ganzen Winter bis Ende März mit Hemden in kurzen Ärmeln laufen konnten, sie verstehen auch die Welt nicht mehr.

caminha.jpg

Was uns im Augenblick mehr Sorgen macht als das Wetter, ist Ursels großer Zeh am rechten Fuß. Vor ein paar Jahren war er gebrochen und hinderte Ursel u. a. daran, meinen Camino 2009 mitzulaufen. Der Zeh ist nun stark geschwollen, wobei die Schmerzen noch erträglich sind. Ursel ist halt hart im Nehmen. Wir hoffen, dass die Schwellung wieder abklingt und der Schmerz bald nachlässt.

Wir akzeptieren nun das Wetter und haben uns darauf eingestellt. Bis zum Busbahnhof waren wir schon wieder nass. Wir lösten ein Ticket für die nächste Station bis Caminha, das sind 27 km. Unterwegs wurde es heller und der Himmel riss plötzlich auf. Wir beschlossen auf halber Wegstrecke auszusteigen, und die Entscheidung war richtig. Wir erlebten den ersten richtig schönen Tag und laufen bis Caminha am Grenzfluss  RIO MINHO zu Spanien. Wir konnten zum ersten Mal unsere Regenjacken ausziehen, denn es waren angenehme Temperaturen, da der kalte Nordwind eingeschlafen war.

In Caminha fanden wir schnell eine Bleibe für 35 € bei

Residencial GALO D OURE, Joaquem A. Costa
Recht alt, aber sauber und mitten im Ort gelegen.

 caminha1.JPG

Nur frisch gemacht und ab in die Stadt. Da schlägt das Pilgerherz einfach wieder höher. Drückt uns die Daumen, dass das Wetter so bleibt. Morgen geht es mit der Fähre über den Rio Minho und dann sind wir in Spanien.

Entgegen der viel beschriebenen Meinung, sind auch hier in Nordportugal die Wege alle durch gelbe Pfeile gekennzeichnet. Mit dem Internet gibt es überhaupt keine Schwierigkeiten. Jedes Bistro, jedes Restaurant und fast jede Unterkunft bietet gratis Wi Fi Internet an. Ich habe noch keinen Cent dafür bisher zahlen müssen.

Etappe: Viana do Castelo – A. Guardo
Bilder von A. Guarda

Buen camino

Ursel und Karl-Heinz

20.04.2012 Viana do Castelo

Hola amigos, buenos dias!

Es ist traurig aber wahr. Es regnete heute frueh in Stroemen und es herrscht immer noch der kalte Nordwind. Die Vorhersage gilt noch immer fuer die ganze Woche.

Die Herberge, in Marinhas, 5 km noerdlich von Esposende,  in der wir heute Nacht geschlafen haben war in Ordnung. Man bekam frisches Bettzeug, Kopfkissen, frische Handtuecher, nur bewohnbar ist sie bei diesenTemperaturen eigentlich nicht. Denn drinnen war es noch kaelter als draussen und es gab keine Waermequelle. In der Nacht brauchten wir jedoch nicht zu frieren, da wir genuegend Wolldecken vorfanden.

Gestern Abend haben wir noch die schoene Kirche im Ort besichtigt. Es lohnt sich dort hineinzugehen. Die Strasse herunter fanden wir auf der rechten Seite, durch einen Torbogen ueber den Innenhof ein gutes Restaurant. Nach ersten Verstaendigungsschwierigkeiten, gab es dann leckere Seezunge mit Salat und Pommes fuer 12.50 Euro. Es hat gut geschmeckt. Um wieder warm zu werden, haben wir uns einen gruenen Tee bestellt und dazu einen Wisky. Wenn Ursel den trinkt, will das schon was heissen.

Nun haben wir beschlossen, so lange das Wetter so schlecht ist, unsere Pilgerreise in eine Pilger-”Fahrt” abzuaendern. Wir brauchen uns schliesslich nichts mehr zu beweisen um dann am Ende womoeglich gesundheitlich geschaedigt nach Hause zu kommen. Bei den Temperaturen bekommt man die Sachen nicht mehr richtig trocken. Wir fahren jetzt mit dem bequemen Ueberlandbus, der mehrmals taeglich an der Kueste entlang faehrt, von Etappe zu Etappe. Wie es dann weiter gehen wird, werden wir dann entscheiden.

Von einem Pilgerfreund erfuhren wir soeben, (s. Kommentar) dass sich zwei Pilgerfreundinnen zur Zeit in Fondcebadon mit Schnee herumschlagen muessen. Da sind wir wahrscheinlich noch gut dran, denn die Lehmwege auf dem camino frances werden so weich, dass man sie kaum noch begehen kann. Die Stollen unter den Schuhen werden dann immer hoeher. Aber auch die beiden werden durchkommen und wir haben verabredet, uns  in Santiago zu treffen.

Auf den Bus mussten wir über eine Stunde warten. Um 11 Uhr waren wir in Viana do Castela. Auf Empfehlung der Touristinfo haben wir uns einquartiert  bei:

DOLCE VIANA, Rua so Poćo 44, 4900-519 V. D. C.  Das war ein guter Tip. Das DZ kostet 40 €. Für 10 € Aufschlag konnte man am Abend Essen und Trinken was man wollte. Sehr nette Leute. 

Die schönen Bilder die man von diesem Ort betrachten kann, bekamen wir nicht zu sehen, da alles wolkenverhangen war. Am Nachmittag klarte es etwas auf und wir konnten einen Bummel durch die schöne Stadt machen.

Viana 2

Entlang des Nordufers der Lima-Flussmündung (wo man typische Bootsfahrten unternehmen kann) breitet sich Viana do Castelo aus. Diese Stadt ist berühmt für ihre Handarbeiten und farbenfrohen Trachten. Besonders sehenswert sind die Kirche, die Casa dos Arcos aus dem Mittelalter, das Kloster Santa Ana aus dem 16. Jahrhundert und das regionale Museum.

Viana

Auf einem Hügel über der Stadt trohnt der Wallfahrtsort Santa Luzia, der einen einmaligen Blick über das Flusstal auf den Ozean freigibt. 

Geschichtlich war die Stadt ein bedeutender Abfahrtsort während des Zeitalters der Entdeckungsreisen, als viele portugiesische Entdecker per Schiff die unbekannte Welt erkundeten.

Heute ist Viana do Castelo ein Ort mit einem lebhaften Fischereihafen, die Fangflotte fährt hinaus bis nach Grönland. Ferner ist die Stadt bekanntder für seine reizvolle Architektur bekannt ist, die sowohl Einflüsse der Manuelinik und der Renaissance als auch innovative moderne Bauten aufweist.

Bilder von Viana do Castelo

Esposende bis Viana de Castelo

Buen camino

Ursel und Karl-Heinz